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Symposium mit 80 Studierenden an der Fachhochschule der Landespolizei Sachsen-Anhalt, Aschersleben

Pressemitteilung -

“Risikobereitschaft junger Verkehrsteilnehmer - eine Herausforderung”

Experten beim gemeinsamen Symposium von BADS Sachsen-Anhalt und Landespolizei Sachsen-Anhalt

Aschersleben(nr). Worauf ist risikoreiches Fahrverhalten junger Menschen zurückzuführen und warum steigen die Zahlen verunglückter Jugendlicher?

Soviel wurde beim gemeinsamen Symposium von BADS Sachsen-Anhalt und Landespolizei in der Fachhochschule der Polizei in Aschersleben vor etwa 80 Studierenden schnell deutlich: Es ist nicht nur Ausdruck allgemeiner jugendtypischer Entwicklung, vielmehr prägen frühe Einstellungen und Handlungsmuster das spätere Verhalten im Straßenverkehr.

Expertinnen und Experten von Polizei, Justiz, Unfallforschung und dem BADS (Bund gegen Alkohol und Drogen im Straßenverkehr) gingen in ihren Referaten von der Entwicklung der Unfallzahlen sowie des Unfallgeschehens in Sachsen-Anhalt in den Jahren von 2023 bis 2024 aus. Bei einem leichten Anstieg der Unfälle in diesen Jahren ging zwar die Zahl der Getöteten um 14,6 % und die der Schwerverletzten um 5,2 % zurück, auffällig aber haben sich die Fälle von Unfällen unter Alkohol um 5,3 % und insbesondere unter Drogeneinfluss um 20% erhöht.

Junge Menschen zwischen 15 und 25 Jahren waren dabei überproportional beteiligt. Alkoholauffaelligkeiten traten etwa dreimal so häufig in Kontrollen wie in Unfallstatistiken auf (1:3), bei Drogen sogar 1:13. Insgesamt zeigt sich ein Verhältnis von etwa 1:4, was auf ein hohes Dunkelfeld hinweist.

Ein zentraler Faktor ist der Alkoholkonsum, der bei jungen Fahrenden überdurchschnittlich häufig zu Unfällen führt. Gesetzliche Einschränkungen wie das absolute Alkoholverbot für Fahranfänger/-innen wirken zwar vorübergehend, nach deren Wegfall nimmt riskanteres Verhalten jedoch oft zu.

BADS- Präsident Helmut Trentmann nahm in seinem Grußwort Bezug auf die sogenannte “Badewannenkurve”, die besagt, dass das Unfallrisiko bei jungen Fahranfängern sehr hoch ist, im mittleren Alter abnimmt und sich im höheren Alter wieder erhöht. „Die Strukturen bei Jugendlichen dürfen sich nicht verfestigen, denn wenn sich Risikobereitschaft in den Jahren stabilisiert, müssen die Ansätze tiefer gehen, um dieser Entwicklung zu begegnen”, sagte Trentmann.

In mehreren Referaten wurden hierzu Details genannt. So dürften unter anderem die Bagatellisierung des Einflusses von Alkohol, Cannabis und Drogen, ein gewisser Unverwundbarkeitsglaube, die Kompensation von Selbstwertdefiziten und Frustabbau verantwortlich sein. Aber auch Imponiergehabe wie persönliches Beziehungsgefüge in der sogenannten "peer-group“ und Rollenkämpfe.

Dr. Oliver Jiltschin, Richter am Amtsgericht Göttingen und stellvertretender Vorsitzender des BADS Niedersachsen, ging unter anderem auf die Problematik der Verkehrsdelikte mit E-Scootern ein und beklagte dabei unterschiedliche Urteile von Amts- und Oberlandesgerichten.

Im städtischen Bereich würden E-Scooter von der jungen Klientel meist nach dem Genuss von Drogen und Alkohol genutzt, in der Annahme, man nutze damit kein Kfz. Dies aber sei doch der Fall, müsse deshalb geändert bzw. durch Information und Prävention verdeutlicht werden. In jedem Fall würde hierdurch die Risikobereitschaft junger Verkehrsteilnehmer erhöht.

Dr. Paul Brieler, der neben seiner Arbeit im BADS als Diplom-Psychologe arbeitet, stellte in einzelnen Fällen unter anderem dar, wie wichtig vorbildhaftes Verhalten im Straßenverkehr beispielsweise durch Eltern praktiziert wird. Kinder beobachteten demnach ihre Eltern sehr genau, werteten ein Fehlverhalten oft als legal und ahmten dies später ohne Unrechtsbewusstsein nach. Dr. Brieler sprach sich dafür aus, zur nachhaltigen Verbesserung der Verkehrssicherheit nicht nur Regeln und Sanktionen, sondern vor allem eine gezielte Beeinflussung von Einstellungen, Motivation und sozialen Rahmenbedingungen, die in Prävention und Intervention wirksam und effektiv eingebunden werden müssen.

Die einzelnen Referatsthemen und ihre Vermittler: Sophie Kroelling (Referentin Verkehrspsychologie, Unfallforschung der Versicherer), Chris Püchel (Leiter zentraler Verkehrs- und Autobahndienst, Polizeiinspektion Magdeburg), Dr. Paul Brieler (BADS, Diplom-Psychologe und Geschäftsführer IPS-Seminare GmbH, Dr. Oliver Jiltschin (BADS, Richter am Amtsgericht Göttingen).

Der Vorsitzende der BADS Landessektion Sachsen-Anhalt, Thomas Stegelitz, beendete das Symposium abschließend mit einer Zusammenfassung. Sie wird zeitnah veröffentlicht unter www.bads.de/Landessektion Sachsen-Anhalt.

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Der Bund gegen Alkohol und Drogen im Straßenverkehr wurde 1950 gegründet. Nach der Satzung des gemeinnützigen Vereins gehören zu seinen Aufgaben unter anderem die Aufklärung über die Gefährlichkeit von Alkohol und Drogen und die Förderung der Forschung auf diesem Gebiet. Der Schwerpunkt seiner Erziehungs- und Aufklärungsarbeit wird von 21 Landessektionen getragen. Internationale Akzeptanz findet unsere renommierte wissenschaftliche Publikation BLUTALKOHOL. Jährlich verleihen wir an Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens für ihr Engagement um mehr Sicherheit auf unseren Straßen die Senator-Lothar-Danner-Medaille in Gold. Der B.A.D.S.  finanziert seine Arbeit hauptsächlich aus den von Staatsanwaltschaften und Gerichten zufließenden Geldbußen, aus Spenden und Mitgliedsbeiträgen.

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